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Warum sind Grafikkarten so teuer? – Aufklärung

  • by Anatoli Bauer

Ohne performancestarke Grafikkarte kommt kein Rechner aus, der für grafisch anspruchsvolle Anwendungen gebraucht wird. Wer sich im Moment eine neue Grafikkarte kaufen will, der muss entweder tief in die Tasche greifen oder lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Selbst auf dem Gebrauchtmarkt zahlt man teils sehr hohe Preise für aktuelle Modelle, welche weit entfernt von der UVP des Herstellers sind. Doch was ist der Grund für die ungewöhnlich hohen Preise?

Weltweiter Chipmangel auf Grund hoher Nachfrage

Chips aus Silizium werden weltweit in hoher Stückzahl benötigt. Diese Halbleiterchips befinden sich in praktisch allen technischen Geräten, beispielsweise in Smartphones, Autos oder LCD-Bildschirmen. Mit Beginn der Coronapandemie ließ sich ein enormer Anstieg an benötigten Halbleiterchips feststellen, da mehr Menschen als gewöhnlich zu Hause saßen und sich die Zeit mit Videospielen vertrieben. Steam lieferte im Jahr 2020 beispielsweise 9 Exabyte Daten mehr aus als noch im Jahr 2019, was ein enormer Unterschied ist.

Zeitgleich verkaufte AMD bis Ende 2020 über 3 Millionen weniger Grafikkarten als noch im ersten Quartal 2018. Zusätzlich erschienen während der Pandemie die Next-Gen-Konsolen und erhöhten den Bedarf an Chips für die Gamingindustrie. Seit einigen Monaten können die Siliziumchips nicht mehr in ausreichender Stückzahl gefertigt werden, um den benötigten Bedarf zu decken. Die Nachfrage nach Halbleitern stieg in den Jahren von 2017 bis 2019 um 17 %. Lisa Su, CEO des Grafikkartenhersteller AMD, gab in einem kürzlichen Interview die geringen Lagerbestände als Grund für den Chipmangel an. Einige Werke von Halbleiterhersteller wurden 2021 Opfer von Klimakatastrophen oder Bränden. Die Infrastruktur der Werke wurde durch die Unglücke teils beschädigt und verschärfte die Chipkrise weiter.

Mit einer Entspannung der Lage auf dem Chipmarkt ist nicht vor Ende 2022 zu rechnen.

Scalper

Die Knappheit an Grafikkarten, sowie die erhöhte Nachfrage nach diesen, hat schnell sogenannte Scalper angelockt. Scalper sind Menschen, die sich in bestimmten Netzwerken organisieren, um gewinnbringende Geschäfte abzuwickeln.

Scalper sind im Besitz von sehr schnellen, programmierbaren Bots. Sobald ein online Shop eine Karte als verfügbar meldet, kaufen die Bots der Scalper automatisch die Bestände auf. Wer einfach nur eine neue Grafikkarte für seinen Rechner kaufen will, geht hierbei leer aus – die Bots kaufen die Bestände so schnell leer, dass der Mensch vor seinem Rechner keine Chance hat schnell genug zu sein. Dazu sei angemerkt, dass sich Scalper im legalen Rahmen bewegen. Ein Sprecher der britischen Regierung gab jedoch an, dass momentan Gespräche mit Handelsorganisationen laufen. Das Ziel dieser Gespräche sei demnach, Endkunden vor den Großeinkäufen der Scalper zu schützen.

Internationale Lieferschwierigkeiten

Die weltweite Versandlogistik ist momentan – auch auf Grund der Pandemie – sehr durcheinander. Die Preise, um Waren in die Vereinigten Staaten zu schicken, sind deutlich angestiegen. Zusätzlich gab es Lieferengpässe bei Kupfer und anderen Materialien, was dazu führte, dass die Speichermodule für die High End Nvidia Grafikkarten nicht in ausreichender Stückzahl produziert werden konnten. Die erhöhten Preise im internationalen Versand sind ein Grund, warum Grafikkarten im Moment teuer sind.

Crypto Mining

Ein weiterer ausschlaggebender Faktor für hohe Grafikkartenpreise ist Crypto Mining. Kryptowährungs-Miner sind Investoren, welche vor allem Grafikkarten benötigen, um Bitcoins zu generieren und Geld zu verdienen. Diese Miner kaufen leistungsstarke Grafikkarten im großen Stil auf, um möglichst viel Kryptowährung generieren zu können. Crypto Mining ist einer der Hauptgründe für die weltweite Knappheit an Grafikkarten und deren Preise. Grafikkartenhersteller NVIDIA geht gegen das Cryptomining vor: Die Neuauflage der RTX-3000-Serie wird mit speziellen „Lite Hash Rate“-Chips betrieben. Diese Chips sorgen dafür, dass Ethereum-Mining-Transaktionen 50 % langsamer ablaufen als mit normalen Chips. So ist das Schürfen von Bitcoins weniger effektiv, denn die Miner müssen natürlich auch für die benötigten Stromkosten aufkommen.

Prognose

Wie werden sich Grafikkartenpreise in der Zukunft entwickeln? Zuletzt sind die Preise für Grafikkarten etwas gefallen. Laut einer Aussage von Nvidias Chief Financial Officer, soll die RTX 3000-Serie noch lange weiterproduziert werden, wenn die neue Generation RTX 4000 bereits auf dem Markt ist.
Zusätzlich hat sich Nvidia mit Hilfe mehrerer Milliarden Dollar Fertigungskapazitäten gesichert. Das hat möglicherweise zur Folge, dass mehr Halbleiterchips für die Fertigung von Grafikkarten, statt für andere technische Geräte, verwendet werden. Dadurch könnte ein vergrößertes Angebot an Grafikkarten entstehen und die Preise sinken.

Mitte 2022 will zudem Intel in den Grafikkartenmarkt einsteigen und eigene Grafikkarten verkaufen. Das vergrößerte Grafikkartenangebot könnte normalen Endnutzern mehr Karten bescheren und zu einer Normalisierung der Preislage beitragen.

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